Ist Geld für Frauen uninteressant?
Wenn sich zwei Freundinnen treffen, dann gibt es viel zu erzählen. Nur über Geld wird selten geredet. „Über Geld spricht man nicht – man hat es“, lautet eine alte Redensart, die gerne einmal zitiert wird, wenn das Thema im Gespräch doch Eingang findet. Die Fakten sprechen zurzeit doch klar dagegen.
Durchschnittlich haben Frauen im Rentenalter mal gerade etwas mehr als die Hälfte des Geldes zur Verfügung als ein Mann im gleichen Alter. Dafür gibt es viele Gründe: Babypause, niedrigere Löhne und ein etwas höherer Krankenstand sind nur einige davon. Schon während des Berufslebens verdienen Frauen meist weniger als ihre männlichen Kollegen.
Mut zum Handeln gefragt
Der Wille zur Veränderung ist definitiv vorhanden. In einigen, jüngeren Studien gaben etwa 30 Prozent aller befragten Frauen an, sich für das Thema Geldanlage stark zu interessieren. Nur zwanzig Prozent fanden bis dato überhaupt keinen Zugang zu diesem Thema.
Das Interesse allein reicht freilich bei weitem noch nicht aus. Nur durch aktives Handeln lässt sich an den bestehenden Diskrepanzen etwas ändern. Doch hierfür scheint oft der Mut zu fehlen. Das Widersinnige daran ist, dass es eigentlich viel mehr Mut erfordern sollte, ohne finanzielle Sicherheit dem Ruhestand entgegen zu gehen. Der große Unterschied ist, dass dies lediglich Passivität braucht, wohingegen das Gegensteuern Aktivität erfordert.
Ist Geld männlich?
Vermutlich ist einer der Gründe immer noch in Erziehung und Anschauung innerhalb der Gesellschaft zu finden. Von klein auf wird jungen Mädchen beigebracht, dass sich der männliche Part der Familie um den Bereich Geld zu kümmern hat. Das Bankkonto läuft auf den Namen des Gatten oder Lebenspartner, der dann auch das letzte Wort bei neuen Anschaffungen hat. Er ist derjenige, der über Geld redet, also ist er auch derjenige in der Familie, der sich damit auskennt oder zumindest auszukennen scheint.
Neuordnung der Geschlechter-Rollen und der finanziellen Verhältnisse
Doch im Zuge der neu geordneten Rollenverhältnisse nach 68 und den immer häufiger mit Frauen besetzten, gut bezahlten Positionen in Unternehmen ändern sich auch die Einkommensverhältnisse und damit die Kompetenzen innerhalb einer Familie. Dadurch wächst eine neue Generation mit nicht mehr einseitig vorgelebten Verfügungsbefugnissen im finanziellen Bereich nach, die die Macht besitzt, alte Schemata aufzubrechen.
Dieser Wandel vollzieht sich mit einer rasanten Geschwindigkeit. Der Anteil der berufstätigen Frauen in den westlichen Industrieländern hat sich seit Mitte des letzten Jahrhunderts gewissermaßen verdoppelt. Der größte Teil dieser Frauen ist sich des Handlungszwanges, die finanzielle Absicherung selbst zu organisieren, ohne sich auf den Staat oder männliche Bekannte oder Verwandte zu verlassen, bewusst. Aktuell besteht noch ein deutliches Missverhältnis zwischen der Kenntnis dieses Handlungszwanges und tatsächlichen Handlung. Es ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich hier schon bald deutliche Veränderungen zeigen werden.
Der Wille zum Wissen
Wenn viele Frauen sich zurzeit untereinander noch nicht wirklich über Geld unterhalten, woher bekommen die Lernwilligen und Interessierten die so dringend benötigten Informationen? Über die Hälfte derjenigen Frauen, die in der Studie befragt wurden, gaben an, mehr über die Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung wissen zu wollen. Nur wie sie dieses Wissen generieren könnte, scheint innerhalb der Zielgruppe „Frau“ noch etwas ungleich verteilt zu sein. Es gibt jedoch Quellen…
Fernsehen und Zeitungen vor Internet
Die meisten Befragten nannten das Internet als erste Informationsquelle – allerdings nur in Bezug auf erste Recherchemaßnahmen. Als Grund hierfür wurde die Unzuverlässigkeit der Quellen angegeben. Allerdings scheint diese Tatsache mit der Aussage von vielen Frauen, die noch keinen rechten Zugang zu der Thematik finden, zu korrelieren, dass sie sich mit den Informationen, die sie zu dem Thema Geldanlage finden und erhalten, überfordert fühlen und sie so für sie schwierig in Handlungsalternativen umzuwandeln sind. Zeitschriften und Fernsehen rangieren in der Relevanz zur Informationsbeschaffung zu Investitionsalternativen bei Frauen noch über dem Internet.
Eventuell hat hierauf die noch bestehende, mangelnde Kenntnis des Mediums Internet und der dazu benötigten Technik einen wesentlichen Einfluss.
Beratung: zwischen Objektivität und Subjektivität
Tatsächliche Kaufentscheidungen bzw. die Entscheidung zur Geldanlage von Frauen beruhen zum größten Teil auf Informationen und Handlungsempfehlungen von realen Personen – und dies besonders aus dem persönlichen Umfeld. Auf den weiteren Plätzen folgen Bankberater und externen Finanzberater.
Doch gerade in einem Informationsgespräch zu einem so langfristig bedeutenden Kauf bzw. der Anlage von Geld, sollte man sich der weitgehenden Objektivität der beratenden Person versichern.
Die Wegbereiterinnen
Als eine Besonderheit der Ergebnisse der Studien soll hier noch erwähnt sein, dass sich besonders alleinstehende Frauen und alleinerziehende Mütter für die Möglichkeiten der Geldanlagen und Investitionsalternativen interessieren. Über zwei Drittel dieser Bevölkerungsgruppe hat die Notwendigkeit zum Handeln bereits erkannt oder scheint sie wenigstens zu erahnen.
Redaktion (23.03.2009)
